Faktencheck-Portale im Überblick
Welche Redaktionen im deutschsprachigen Raum Behauptungen prüfen, wer sie trägt, nach welchen Grundsätzen sie arbeiten und wie du einen vorhandenen Faktencheck schnell findest.
Faktencheck-Portale sind Redaktionen, die verbreitete Behauptungen systematisch überprüfen und ihre Ergebnisse mit Belegen veröffentlichen. Im deutschsprachigen Raum stammen sie vor allem aus drei Richtungen: von Nachrichtenagenturen, von öffentlich-rechtlichen Sendern und von gemeinnützigen Organisationen. Bevor du selbst lange recherchierst, lohnt sich fast immer die Suche nach einem vorhandenen Faktencheck.
Dieser Überblick ergänzt den Ratgeber Faktencheck: Methoden und Werkzeuge. Er nennt die bekanntesten Teams, erklärt ihre Arbeitsweise und zeigt, woran du einen guten Faktencheck erkennst. Wir verlinken die Angebote bewusst nicht, du findest sie über ihren Namen in jeder Suchmaschine.
Die wichtigsten Faktencheck-Teams im deutschsprachigen Raum
| Name | Träger | Typ | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| dpa-Faktencheck | Deutsche Presse-Agentur | Nachrichtenagentur | virale Behauptungen in sozialen Netzwerken, Bilder und Videos |
| AFP Faktencheck | Agence France-Presse, deutschsprachiger Dienst | Nachrichtenagentur | internationale und deutschsprachige Falschinformation |
| APA-Faktencheck | Austria Presse Agentur | Nachrichtenagentur | Behauptungen mit Bezug zu Österreich |
| CORRECTIV.Faktencheck | CORRECTIV, gemeinnütziges Recherchezentrum | gemeinnützig | Falschinformation in sozialen Netzwerken und Messengern |
| ARD-faktenfinder | ARD, bei tagesschau.de | öffentlich-rechtlich | Einordnung aktueller Debatten und Desinformationskampagnen |
| BR24 #Faktenfuchs | Bayerischer Rundfunk | öffentlich-rechtlich | Faktenchecks mit Bezug zu Bayern und bundesweiten Themen |
| Mimikama | Verein mit Sitz in Österreich | gemeinnützig | Kettenbriefe, Fake-Gewinnspiele, Betrugsmaschen, Falschmeldungen |
Daneben gibt es Faktenchecks in einzelnen Medienhäusern, die nicht als eigenes Portal auftreten, sowie Rubriken in Wissenschaftsredaktionen, die Gesundheitsbehauptungen prüfen. Über Kooperationen im europäischen Rahmen, etwa das deutsch-österreichische Netzwerk GADMO, arbeiten mehrere der genannten Teams auch zusammen.
Agentur-Teams
Nachrichtenagenturen beliefern Medien mit Meldungen und haben ein starkes Eigeninteresse daran, dass ihre Informationen stimmen. Ihre Faktencheck-Teams prüfen vor allem, was sich in sozialen Netzwerken schnell verbreitet: aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, falsch zugeordnete Fotos, manipulierte Videos. Wie Agenturen grundsätzlich arbeiten, erklärt der Artikel Nachrichtenagenturen erklärt.
Öffentlich-rechtliche Teams
Die Teams der Rundfunkanstalten verbinden Faktenchecks oft mit Hintergrundberichten. Sie erklären nicht nur, ob eine Behauptung stimmt, sondern auch, wer sie verbreitet und warum sie verfängt. Ihre Beiträge erscheinen online und teils in Radio- und Fernsehsendungen.
Gemeinnützige Organisationen
Gemeinnützige Faktenchecker finanzieren sich über Spenden, Mitgliedsbeiträge, Stiftungen und Projektgelder, teils auch über Kooperationen mit Plattformen. Sie sind häufig besonders nah an den Kanälen, in denen Falschinformation kursiert, etwa Messenger-Gruppen, und bieten Möglichkeiten, verdächtige Inhalte einzusenden.
Internationale Faktenchecker
Für Behauptungen, die aus dem Ausland stammen, lohnt der Blick zu Teams in anderen Ländern. Bekannt sind etwa Snopes und PolitiFact in den USA oder Full Fact in Großbritannien. Viele internationale Agenturen veröffentlichen Faktenchecks in mehreren Sprachen. Taucht eine Falschmeldung in Deutschland auf, ist sie oft schon anderswo geprüft worden.
Eine Sonderrolle hat die Datenbank EUvsDisinfo. Sie wird von einer Arbeitsgruppe des Europäischen Auswärtigen Dienstes betrieben und dokumentiert Desinformation aus prorussischen Quellen. Das ist eine staatliche Stelle und kein unabhängiger journalistischer Faktencheck. Für eine Einordnung kann sie trotzdem hilfreich sein.
Nach welchen Grundsätzen gearbeitet wird
Das International Fact-Checking Network, kurz IFCN, ist beim US-amerikanischen Poynter Institute angesiedelt. Sein Grundsatzkodex verpflichtet unterzeichnende Organisationen auf:
- Überparteilichkeit und Fairness: gleiche Maßstäbe für alle, keine Parteinahme.
- Transparenz der Quellen: Belege werden so genannt, dass Leser sie selbst prüfen können.
- Transparenz von Finanzierung und Organisation: Wer bezahlt und wer verantwortlich ist, wird offengelegt.
- Transparenz der Methode: Wie Behauptungen ausgewählt, recherchiert und bewertet werden, ist beschrieben.
- Offene Korrekturen: Fehler werden sichtbar korrigiert.
Organisationen, die den Kodex unterzeichnen wollen, werden von externen Gutachtern geprüft und regelmäßig erneut bewertet. In Europa gibt es mit dem European Fact-Checking Standards Network einen weiteren Zusammenschluss mit eigenen Standards. Eine Mitgliedschaft ist kein Beweis für fehlerfreie Arbeit, aber ein Hinweis, dass sich eine Organisation überprüfbaren Regeln unterwirft.
Wie ein Faktencheck entsteht
Die Abläufe unterscheiden sich von Team zu Team, folgen aber meist einem ähnlichen Muster:
- Auswahl: Das Team beobachtet soziale Netzwerke, Messenger-Hinweise und Leserzuschriften. Geprüft wird, was sich weit verbreitet, eine überprüfbare Tatsachenbehauptung enthält und Schaden anrichten kann. Reine Meinungen werden nicht geprüft.
- Recherche: Die Redaktion sucht die Originalquelle, fragt bei Behörden, Unternehmen oder den zitierten Personen nach, wertet Dokumente und Daten aus und zieht Fachleute hinzu. Bei Bildern und Videos kommen Rückwärtssuche, Geolokalisierung und Archive zum Einsatz.
- Bewertung: Das Ergebnis wird mit einem Urteil aus der jeweiligen Bewertungsskala zusammengefasst.
- Gegenlesen: Vor der Veröffentlichung prüft in der Regel eine zweite Person Recherche und Formulierungen.
- Veröffentlichung und Korrektur: Der Faktencheck erscheint mit Belegen. Werden später neue Informationen bekannt, wird er aktualisiert und die Änderung vermerkt.
Viele Faktenchecks werden zusätzlich mit einer maschinenlesbaren Auszeichnung versehen. So können Suchmaschinen und spezialisierte Suchwerkzeuge sie als Prüfung erkennen und gezielt anzeigen.
Bewertungsskalen
Faktenchecker arbeiten selten nur mit „wahr“ und „falsch“. Typisch sind abgestufte Urteile, deren Bezeichnungen je nach Team variieren:
| Urteil | Bedeutung |
|---|---|
| falsch | Die Behauptung ist durch Belege widerlegt. |
| größtenteils falsch | Ein Kern stimmt, die Aussage insgesamt aber nicht. |
| fehlender Kontext | Die Fakten stimmen, ergeben ohne Einordnung aber ein falsches Bild. |
| irreführend | Echte Inhalte werden so präsentiert, dass ein falscher Eindruck entsteht. |
| unbelegt | Es gibt keine ausreichenden Belege dafür oder dagegen. |
| Satire | Der Inhalt ist als Satire entstanden und wurde für echt gehalten. |
Lies bei einem Faktencheck nicht nur das Urteil, sondern auch die Begründung. Gerade bei „fehlendem Kontext“ steckt die eigentliche Information im Text.
So findest du einen vorhandenen Faktencheck
- Suchmaschine: Gib die Kernaussage zusammen mit „Faktencheck“ ein. Nutze markante Begriffe aus der Behauptung, nicht den ganzen Satz.
- Google Fact Check Explorer: Diese Suchfunktion durchsucht Prüfungen, die Faktencheck-Redaktionen mit einer speziellen Auszeichnung im Quelltext versehen haben, auch international.
- Direkt beim Team: Die meisten Portale haben eine Suchfunktion und Themenübersichten.
- Bilder: Bei Fotos und Videos führt die Bilder-Rückwärtssuche oft direkt zu einem Faktencheck, wenn das Motiv schon geprüft wurde.
- Nennt der Faktencheck die geprüfte Behauptung genau und zeigt, wo sie kursiert?
- Sind die Belege verlinkt oder so beschrieben, dass du sie finden kannst?
- Kommen Betroffene oder Fachleute zu Wort?
- Ist das Urteil nachvollziehbar begründet, auch bei Abstufungen?
- Sind Datum und gegebenenfalls Aktualisierungen angegeben?
- Legt das Team offen, wer es trägt und finanziert?
Grenzen der Portale
Faktenchecker können nur einen kleinen Teil der kursierenden Behauptungen prüfen. Sie wählen aus, was weit verbreitet, überprüfbar und relevant ist. Dass zu einer Behauptung kein Faktencheck existiert, heißt also nicht, dass sie stimmt. Zudem werden Faktenchecks selbst kritisiert, manchmal berechtigt, wenn Fehler passieren, oft aber auch, um unbequeme Ergebnisse zu diskreditieren. Gute Teams begegnen dem mit Transparenz und Korrekturen.
Auch die Zusammenarbeit mit Plattformen verändert sich. Soziale Netzwerke haben Faktenchecker in der Vergangenheit teils dafür bezahlt, Beiträge zu prüfen und mit Hinweisen zu versehen. Solche Programme werden eingeführt, umgebaut oder beendet, je nach Strategie der Plattform. Für dich heißt das: Ein fehlender Warnhinweis unter einem Beitrag ist kein Beleg dafür, dass er geprüft wurde und stimmt.
Faktenchecks sind am wirksamsten, wenn du sie selbst nachvollziehst. Die Methoden, mit denen die Teams arbeiten, kannst du im Alltag ebenfalls anwenden. Typische Muster, auf die sie immer wieder stoßen, erklärt der Ratgeber Desinformation erkennen.
Fragen und Antworten
Welches Faktencheck-Portal ist das beste?
Eine seriöse Rangliste gibt es nicht, und die Teams haben unterschiedliche Schwerpunkte. Wichtiger als der Name ist, ob ein einzelner Faktencheck seine Belege offenlegt und nachvollziehbar begründet. Wenn mehrere unabhängige Teams zum selben Ergebnis kommen, ist das ein starkes Signal.
Wer bezahlt Faktenchecker?
Das ist unterschiedlich. Agentur-Teams werden aus den Erlösen der Agentur finanziert, öffentlich-rechtliche Teams aus dem Rundfunkbeitrag, gemeinnützige Organisationen aus Spenden, Stiftungsgeldern und teils aus Kooperationen mit Plattformen. Seriöse Faktenchecker legen ihre Finanzierung offen, das gehört zu den IFCN-Grundsätzen.
Was ist das International Fact-Checking Network?
Das IFCN ist ein Netzwerk von Faktencheck-Organisationen, das beim US-amerikanischen Poynter Institute angesiedelt ist. Es hat einen Grundsatzkodex formuliert. Organisationen, die ihn unterzeichnen wollen, werden auf die Einhaltung geprüft und regelmäßig erneut begutachtet.
Kann ich einem Faktencheck-Portal eine Behauptung zur Prüfung schicken?
Viele Faktencheck-Teams bieten dafür Kontaktwege an, etwa ein Formular, eine E-Mail-Adresse oder eine Messenger-Nummer. Einen Anspruch auf Prüfung gibt es nicht. Die Teams wählen aus, welche Behauptungen weit verbreitet und überprüfbar sind.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion acmedias.org. Fehler gefunden?Schreib uns.