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Bilder und Videos prüfen: Rückwärtssuche, Metadaten und Deepfakes

Die meisten irreführenden Bilder sind nicht gefälscht, sondern stammen aus einem anderen Zusammenhang. Mit Rückwärtssuche, Ortsabgleich und einem geschulten Blick für KI-Spuren kommst du ihnen auf die Spur.

Ein Kameramann hält ein großes Kameraobjektiv direkt in Richtung Betrachter

Bilder wirken unmittelbar. Was wir sehen, halten wir schnell für wahr. Genau deshalb sind Fotos und Videos ein beliebtes Mittel, um Falschinformationen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Die gute Nachricht: Viele irreführende Bilder lassen sich mit wenigen Klicks entlarven. Der häufigste Fall ist nämlich keine aufwendige Fälschung, sondern eine echte Aufnahme mit falscher Beschreibung.

Echtes Bild, falscher Zusammenhang

Ein Foto einer Überschwemmung aus einem anderen Land, ein Video von einer Demonstration aus einem anderen Jahr, eine Szene aus einem Spielfilm: Solche Aufnahmen werden bei aktuellen Ereignissen immer wieder als angeblicher Beleg verbreitet. Fachleute sprechen von Cheapfakes, also billig hergestellten Täuschungen ohne technische Manipulation. Die wichtigste Frage lautet deshalb zuerst nicht „Ist das Bild echt?“, sondern „Zeigt das Bild wirklich, was behauptet wird?“

Die Bilder-Rückwärtssuche

Bei einer Rückwärtssuche gibst du statt eines Suchbegriffs ein Bild ein. Die Suchmaschine zeigt, wo dieses oder ein sehr ähnliches Bild bereits veröffentlicht wurde. So geht es:

  1. Speichere das Bild oder kopiere seine Adresse. Bei Videos machst du Bildschirmfotos von markanten Szenen.
  2. Lade es bei einem oder mehreren Diensten hoch, etwa Google Lens, der visuellen Suche von Bing, TinEye oder Yandex.
  3. Sortiere die Treffer, wenn möglich, nach Datum und suche die älteste Veröffentlichung.
  4. Vergleiche die Beschreibung dort mit der Behauptung, die du prüfen willst.

Findet die Suche nichts, kann ein Ausschnitt helfen, etwa ein Gebäude im Hintergrund. Für Videos gibt es Browser-Erweiterungen wie das von europäischen Forschungsprojekten entwickelte Werkzeug InVID-WeVerify, das Schlüsselbilder aus einem Video herauslöst und direkt an mehrere Suchdienste übergibt.

Metadaten: hilfreich, aber nicht beweiskräftig

Digitale Fotos enthalten oft zusätzliche Informationen, die sogenannten Metadaten im EXIF-Format: Aufnahmezeit, Kameramodell, manchmal Ortskoordinaten. Mit kostenlosen Programmen lassen sie sich auslesen. Allerdings entfernen die meisten sozialen Netzwerke und Messenger diese Daten beim Hochladen, und wer täuschen will, kann sie leicht verändern. Metadaten sind daher ein Puzzlestück, kein Beweis.

Ort und Zeit prüfen

Profis gleichen Bilder mit der Wirklichkeit ab. Diese Arbeit heißt Geolokalisierung. Hinweise liefern:

  • Schilder und Schrift: Sprache, Straßennamen, Telefonvorwahlen auf Werbetafeln, Kennzeichen.
  • Landschaft und Gebäude: markante Bauwerke, Berge, Küstenlinien, die sich auf Karten und Satellitenbildern wiederfinden lassen.
  • Wetter und Jahreszeit: Schnee, belaubte oder kahle Bäume, Kleidung der Menschen.
  • Licht und Schatten: Richtung und Länge der Schatten lassen grobe Rückschlüsse auf die Tageszeit zu.

Nicht jede Aufnahme lässt sich genau verorten. Oft reicht es aber, einen Widerspruch zu finden: Ein angeblich im Sommer aufgenommenes Video mit verschneiten Dächern ist schnell entlarvt.

KI-generierte Bilder erkennen

Bildgeneratoren erzeugen heute fotorealistische Bilder in Sekunden. Frühere Modelle hatten typische Schwächen, und manche davon tauchen weiterhin auf:

  • unnatürliche Hände, Finger oder Zähne
  • verschwommene oder sinnlose Schrift auf Schildern und Kleidung
  • Schmuck, Brillen oder Ohren, die links und rechts nicht zusammenpassen
  • Hintergründe, in denen Linien abbrechen oder Gegenstände ineinanderfließen
  • auffällig glatte Haut und ein gleichmäßiger, fast werblicher Glanz

Diese Merkmale veralten jedoch schnell, weil die Modelle besser werden. Ein Bild ohne erkennbare Fehler kann trotzdem künstlich sein. Verlässlicher als der Blick auf Details ist die Frage nach der Herkunft: Wer hat das Bild zuerst veröffentlicht, und gibt es weitere Aufnahmen desselben Ereignisses aus unabhängigen Quellen?

Deepfakes in Video und Ton

Als Deepfake bezeichnet man Videos oder Tonaufnahmen, in denen Personen mithilfe von KI Dinge sagen oder tun, die nie passiert sind. Hinweise können sein: Lippenbewegungen, die nicht genau zum Ton passen, unnatürliche Übergänge an Haaransatz und Kinn, starre Mimik, flackernde Ränder oder eine Stimme, die monoton oder abgehackt klingt. Besonders verbreitet sind inzwischen gefälschte Sprachnachrichten und Anrufe, bei denen eine bekannte Stimme nachgeahmt wird.

Bei Deepfakes von bekannten Personen lohnt sich die Frage, ob die Aussage in offiziellen Kanälen der Person oder in seriösen Medien auftaucht. Bei angeblichen Anrufen von Angehörigen hilft ein Rückruf unter der bekannten Nummer.

  1. Habe ich eine Rückwärtssuche gemacht und die früheste Veröffentlichung gefunden?
  2. Stimmt die Beschreibung dort mit der Behauptung überein?
  3. Passen Ort, Jahreszeit und Wetter zur Geschichte?
  4. Gibt es weitere Aufnahmen desselben Ereignisses aus unabhängigen Quellen?
  5. Zeigt das Bild typische KI-Spuren oder fehlt jede Herkunftsangabe?
  6. Hat eine seriöse Quelle oder ein Faktencheck die Aufnahme bereits eingeordnet?

Herkunftsnachweise: Content Credentials

Kamerahersteller, Softwarefirmen und Medienhäuser arbeiten an einem offenen Standard namens C2PA. Er bettet fälschungssichere Herkunftsangaben in Dateien ein, die als Content Credentials angezeigt werden können: mit welchem Gerät oder Programm ein Bild entstand und welche Bearbeitungen folgten. Auch rechtlich tut sich etwas: Die europäische KI-Verordnung sieht Transparenzpflichten für bestimmte KI-erzeugte Inhalte vor, etwa Kennzeichnungen für Deepfakes. Solche Nachweise werden die Prüfung künftig erleichtern. Solange sie aber nicht überall verbreitet sind, gilt: Fehlende Herkunftsangaben beweisen keine Fälschung, und vorhandene ersetzen nicht den gesunden Menschenverstand.

Wie du die Ergebnisse einer Bildprüfung in einen vollständigen Faktencheck einbettest, erklärt der Ratgeber Faktencheck: Methoden und Werkzeuge. Welche Rolle KI für den Journalismus insgesamt spielt, beleuchtet Die Zukunft der Nachrichten.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Bilder-Rückwärtssuche ist die beste?

Es gibt keine, die alles findet. Google Lens, die visuelle Suche von Bing, TinEye und Yandex nutzen unterschiedliche Datenbestände. Wenn eine Suche nichts ergibt, lohnt es sich, eine zweite zu probieren und auch einen Bildausschnitt statt des ganzen Bildes zu suchen.

Kann ich mit den Metadaten beweisen, wann ein Foto entstanden ist?

Nur eingeschränkt. Metadaten wie Aufnahmedatum oder Kameramodell lassen sich leicht verändern, und die meisten sozialen Netzwerke entfernen sie beim Hochladen. Sie sind ein Hinweis, aber kein Beweis. Aussagekräftiger ist es, die früheste Veröffentlichung eines Bildes zu finden.

Gibt es Programme, die Deepfakes sicher erkennen?

Es gibt Erkennungswerkzeuge, aber keines arbeitet fehlerfrei, und mit jeder neuen Generation von KI-Modellen müssen sie nachziehen. Verlass dich nicht allein auf ein solches Ergebnis. Entscheidend ist die Frage, woher ein Video stammt und ob seriöse Quellen den gezeigten Vorgang bestätigen.

Was sind Content Credentials?

Content Credentials sind fälschungssichere Herkunftsangaben, die nach dem offenen Standard C2PA in eine Bild- oder Videodatei eingebettet werden. Sie können zeigen, mit welcher Kamera oder Software ein Inhalt erstellt und wie er bearbeitet wurde. Fehlen sie, ist das allerdings kein Beweis für eine Fälschung.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion acmedias.org. Fehler gefunden?Schreib uns.