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Medien-Glossar: Begriffe von Clickbait bis Verifikation

Framing, Echokammer, Embargo, Rüge: Die Fachsprache rund um Medien und Desinformation ist voller Begriffe, die selten erklärt werden. Hier findest du sie kurz und verständlich, alphabetisch sortiert.

Dieses Glossar sammelt die Begriffe, die in unseren Ratgebern immer wieder vorkommen. Die Erklärungen sind bewusst knapp gehalten. Wo ein Thema ausführlicher behandelt wird, findest du einen Verweis auf den passenden Ratgeber.

A bis C

Agenturmeldung

Text einer Nachrichtenagentur wie dpa, Reuters, AFP oder AP, den Medien gegen Bezahlung übernehmen, kürzen oder ergänzen dürfen. Agenturmeldungen bilden die Grundlage vieler Nachrichten. Mehr dazu unter Wie Nachrichten entstehen.

Algorithmus

Regelwerk, nach dem eine Software Entscheidungen trifft. In sozialen Netzwerken und Nachrichten-Apps bestimmen Algorithmen, welche Beiträge in welcher Reihenfolge angezeigt werden, meist nach erwartetem Interesse und Interaktion.

Astroturfing

Vorgetäuschte Graswurzelbewegung: Eine Kampagne wird so organisiert, dass sie wie spontaner Protest oder breite Zustimmung aus der Bevölkerung wirkt, obwohl eine Organisation oder ein Auftraggeber dahintersteht.

Bestätigungsfehler

Psychologische Neigung, Informationen zu bevorzugen, die die eigene Meinung bestätigen, und widersprechende Informationen zu übersehen oder abzuwerten. Englisch Confirmation Bias.

Cheapfake

Irreführendes Bild oder Video, das ohne aufwendige Technik entsteht, etwa durch falsche Beschreibung, Verlangsamung oder geschickten Schnitt. Häufiger als Deepfakes.

Clickbait

Überschriften und Vorschaubilder, die gezielt Neugier wecken, um Klicks zu erzeugen, oft mit Formulierungen wie „Du wirst nicht glauben, was dann passierte“. Der Inhalt hält das Versprechen häufig nicht.

Content Credentials

Fälschungssichere Herkunftsangaben in Bild- und Videodateien nach dem offenen Standard C2PA. Sie zeigen, mit welchem Gerät oder Programm ein Inhalt erstellt und wie er bearbeitet wurde.

D bis F

Deepfake

Mit künstlicher Intelligenz erzeugte oder veränderte Video- oder Tonaufnahme, in der Personen scheinbar Dinge sagen oder tun, die nie passiert sind. Siehe Bilder und Videos prüfen.

Desinformation

Falsche oder irreführende Information, die absichtlich verbreitet wird, um zu täuschen oder zu schaden. Ausführlich im Ratgeber Desinformation erkennen.

Doomscrolling

Zwanghaftes Weiterscrollen durch negative Nachrichten, das eher belastet als informiert.

Echokammer

Kommunikationsumfeld, in dem man vor allem auf Menschen und Quellen trifft, die die eigene Meinung teilen. Abweichende Sichtweisen kommen kaum vor, die eigene Haltung wird verstärkt.

Embargo

Sperrfrist: Vereinbarung, eine Information erst ab einem bestimmten Zeitpunkt zu veröffentlichen, etwa bei Studien oder Reden.

Faktencheck

Systematische Überprüfung einer Behauptung auf ihren Wahrheitsgehalt, mit offengelegten Quellen und Methoden. Siehe Faktencheck: Methoden und Werkzeuge.

Fehlinformation

Falsche Information, die ohne Täuschungsabsicht weitergegeben wird, etwa weil jemand sie für wahr hält.

Filterblase

Informationsumgebung, in der Algorithmen einer Person vor allem Inhalte anzeigen, die zu ihrem bisherigen Verhalten passen. Wie stark dieser Effekt tatsächlich wirkt, ist in der Forschung umstritten.

Framing

Einbettung eines Themas in einen bestimmten Deutungsrahmen durch Wortwahl, Bilder und Auswahl von Aspekten. Ob eine Steuersenkung als „Entlastung“ oder als „Geschenk“ bezeichnet wird, lenkt die Wahrnehmung in unterschiedliche Richtungen.

G bis K

Gegendarstellung

Recht von Betroffenen, im selben Medium ihre Sicht zu einer veröffentlichten Tatsachenbehauptung darzulegen. Geregelt in den Landespressegesetzen. Siehe Medienkritik und Presserecht.

Geolokalisierung

Bestimmung des Aufnahmeorts eines Fotos oder Videos anhand von Merkmalen wie Gebäuden, Schildern oder Landschaft, oft mit Karten und Satellitenbildern.

Halluzination

Von einem KI-Sprachmodell erzeugte Angabe, die plausibel klingt, aber falsch oder frei erfunden ist, zum Beispiel ein nicht existierendes Zitat oder eine falsche Quellenangabe.

Impressum

Pflichtangaben zum Anbieter einer Website oder Publikation, in Deutschland unter anderem Name, Anschrift und Kontakt. Journalistisch-redaktionelle Angebote nennen zusätzlich eine inhaltlich verantwortliche Person.

Kommentar

Journalistische Darstellungsform, in der eine Autorin oder ein Autor eine begründete Meinung äußert. Muss als Meinungsbeitrag erkennbar sein.

Korrelation

Statistischer Zusammenhang zwischen zwei Größen. Eine Korrelation beweist noch keine Ursache: Zwei Dinge können gemeinsam auftreten, weil ein dritter Faktor beide beeinflusst.

L bis O

Lateral Reading

Deutsch seitliches Lesen: Prüfmethode, bei der man eine unbekannte Quelle beurteilt, indem man in neuen Tabs recherchiert, was andere über sie sagen, statt nur ihre Selbstdarstellung zu lesen.

Leitartikel

Meinungsbeitrag, der die Haltung einer Redaktion oder ihrer Leitung zu einem wichtigen Thema ausdrückt.

Malinformation

Zutreffende Information, die gezielt eingesetzt wird, um Personen oder Gruppen zu schaden, etwa veröffentlichte private Daten.

Metadaten

Zusatzinformationen zu einer Datei, bei Fotos etwa Aufnahmezeit, Kameramodell oder Koordinaten. Viele Plattformen entfernen sie beim Hochladen.

Nachrichtenagentur

Unternehmen, das Nachrichten in Text, Bild und Video sammelt, prüft und an Medien verkauft.

Nachrichtenfaktoren

Merkmale eines Ereignisses, die seine Chance erhöhen, zur Nachricht zu werden, zum Beispiel Tragweite, Nähe, Prominenz, Überraschung und Konflikt.

Native Advertising

Bezahlte Werbung, die in Aufmachung und Stil redaktionellen Inhalten ähnelt. Sie muss als Werbung gekennzeichnet sein, etwa mit „Anzeige“ oder „Sponsored“.

P bis R

Paywall

Bezahlschranke: Inhalte sind nur mit Abonnement oder Einzelkauf vollständig zugänglich.

Pressekodex

Berufsethische Regeln des Deutschen Presserats für Zeitungen, Zeitschriften und deren journalistische Online-Angebote, gegliedert in 16 Ziffern.

Presserat

Der Deutsche Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse. Er behandelt Beschwerden über Verstöße gegen den Pressekodex und kann Hinweise, Missbilligungen und Rügen aussprechen.

Primärquelle

Ursprung einer Information, etwa ein Gesetz, eine Studie, eine Statistik oder ein vollständiges Interview. Siehe Quellen prüfen und bewerten.

Propaganda

Systematische Verbreitung von Botschaften, um Meinungen und Verhalten im Sinne eines Auftraggebers zu beeinflussen, oft mit einseitiger Auswahl und emotionaler Zuspitzung.

Quellenschutz

Grundsatz, dass Journalistinnen und Journalisten die Identität vertraulicher Informantinnen und Informanten nicht preisgeben. Rechtlich durch Zeugnisverweigerungsrechte abgesichert.

Richtigstellung

Klarstellung durch ein Medium, dass eine veröffentlichte Tatsachenbehauptung falsch war.

Rückwärtssuche

Suche, bei der man ein Bild statt eines Begriffs eingibt, um frühere Veröffentlichungen desselben oder ähnlicher Bilder zu finden.

Rüge

Schärfste Maßnahme des Deutschen Presserats bei Verstößen gegen den Pressekodex. Öffentliche Rügen sollen von den betroffenen Medien veröffentlicht werden.

S bis Z

Satire

Kunstform, die Missstände durch Übertreibung, Ironie und Spott sichtbar macht. Ohne Absender weitergeleitet, wird Satire manchmal für eine echte Meldung gehalten.

Social Bot

Automatisiertes Konto in sozialen Netzwerken, das wie ein menschlicher Nutzer auftritt und Beiträge veröffentlicht, teilt oder kommentiert.

Sockenpuppe

Gefälschtes Zweitkonto, mit dem jemand vorgibt, eine andere Person zu sein, etwa um die eigene Position zu unterstützen.

Trennungsgebot

Grundsatz, dass Werbung und redaktionelle Inhalte klar voneinander getrennt sein müssen. Im Journalismus gilt zudem die Trennung von Nachricht und Meinung.

Troll

Person, die in Online-Diskussionen gezielt provoziert, stört oder Streit anfacht. Organisierte Gruppen werden als Trollnetzwerke oder Trollfabriken bezeichnet.

Verifikation

Überprüfung, ob eine Information, ein Bild oder ein Video echt ist und das zeigt, was behauptet wird.

Verschwörungserzählung

Erklärung von Ereignissen als Ergebnis eines geheimen Plans mächtiger Gruppen, die sich gegen Widerlegung abschottet: Gegenbelege gelten dann als Teil der Verschwörung.

Whataboutism

Ablenkungstechnik in Diskussionen: Auf Kritik wird nicht eingegangen, sondern mit einem Gegenvorwurf geantwortet („Und was ist mit …?“).

Zwei-Quellen-Prinzip

Redaktionelle Regel, eine wichtige Information erst zu veröffentlichen, wenn sie von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigt wurde.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Filterblase und Echokammer?

Eine Filterblase entsteht vor allem durch Algorithmen, die dir Inhalte passend zu deinem bisherigen Verhalten anzeigen. Eine Echokammer entsteht eher durch die eigene Auswahl: Man umgibt sich mit Menschen und Quellen, die die eigene Meinung teilen und verstärken. In der Praxis greifen beide Effekte oft ineinander.

Was bedeutet Verifikation im Journalismus?

Verifikation ist die Überprüfung, ob eine Information, ein Bild oder ein Video echt ist und das zeigt, was behauptet wird. Sie gehört zu den Kernaufgaben von Redaktionen, besonders bei Material aus sozialen Netzwerken.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion acmedias.org. Fehler gefunden?Schreib uns.