Desinformation erkennen

Fake News erkennen: 10 Prüffragen für jede Meldung

Eine Kettennachricht im Familienchat, ein empörter Post, eine angebliche Eilmeldung: Mit zehn Prüffragen findest du in wenigen Minuten heraus, ob eine Meldung trägt oder ob du sie besser nicht teilst.

Ob eine Meldung stimmt, kannst du meist mit wenigen gezielten Fragen klären: Was genau wird behauptet, wer steckt dahinter, wie alt ist es, und bestätigen unabhängige Quellen die Aussage? Die zehn Prüffragen in diesem Artikel bringen diese Punkte in eine feste Reihenfolge, damit du nichts vergisst. Sie ergänzen den Überblick im Ratgeber Desinformation erkennen um konkrete Handgriffe für jede einzelne Frage.

Die 10 Prüffragen auf einen Blick

  1. Was genau wird behauptet?
  2. Wer hat es zuerst veröffentlicht?
  3. Wer steht hinter der Quelle?
  4. Wie alt ist die Meldung?
  5. Welche Belege werden genannt, und sagen sie das wirklich?
  6. Berichten unabhängige Quellen dasselbe?
  7. Passen Bild oder Video zur Behauptung?
  8. Stimmen die Zitate?
  9. Welche Gefühle soll die Meldung auslösen?
  10. Gibt es schon einen Faktencheck?

Die Prüffragen im Detail

1. Was genau wird behauptet?

Formuliere die Kernaussage in einem einzigen Satz. Das klingt banal, ist aber der wichtigste Schritt. Viele Falschmeldungen bestehen aus einem Gemisch aus Andeutungen, Fragen und Gefühlen, das sich kaum prüfen lässt. Erst wenn du weißt, welche Tatsachenbehauptung im Kern steckt, kannst du gezielt danach suchen. Trenne dabei Fakten von Meinungen: „Ab Montag gilt eine neue Regel“ lässt sich prüfen, „Das ist ein Skandal“ nicht.

2. Wer hat es zuerst veröffentlicht?

Meldungen wandern über viele Stationen. Ein Screenshot in einem Messenger ist fast nie der Ursprung. Suche nach der ersten Veröffentlichung, etwa indem du einen markanten Satz in Anführungszeichen in eine Suchmaschine eingibst. Fehlt jeder Hinweis auf einen Ursprung, ist das bereits ein Warnsignal. Formulierungen wie „ein Freund eines Bekannten arbeitet bei der Polizei“ sind typisch für Kettennachrichten.

3. Wer steht hinter der Quelle?

Hast du den Ursprung gefunden, prüfst du den Absender. Gibt es ein Impressum mit Namen und Anschrift? Ist die Website ein bekanntes Medium oder nur so gestaltet, dass sie wie eines aussieht? Schau nicht nur auf die Selbstdarstellung, sondern suche in einem neuen Tab, was andere über die Quelle schreiben. Wie das im Detail geht, erklärt der Ratgeber Quellen prüfen und bewerten.

4. Wie alt ist die Meldung?

Alte Nachrichten werden gern als neu weiterverbreitet, zum Beispiel ein Unwetterbericht aus einem früheren Jahr oder eine längst aufgehobene Regel. Achte auf das Veröffentlichungsdatum, aber auch auf Hinweise im Text: Wird ein Wochentag genannt, der zum Datum passt? Sind erwähnte Personen noch im genannten Amt? Bei Websites ohne sichtbares Datum hilft manchmal ein Blick in ein Webarchiv.

5. Welche Belege werden genannt, und sagen sie das wirklich?

Seriöse Meldungen nennen ihre Quellen: eine Studie, eine Behördenmitteilung, ein Gerichtsurteil. Öffne diese Quelle und lies selbst nach. Häufig steht dort etwas anderes oder deutlich weniger als behauptet. Aus „wird geprüft“ wird in der Weitergabe schnell „ist beschlossen“, aus einer Tierstudie eine Aussage über Menschen. Ein Link allein ist noch kein Beleg. Entscheidend ist, was hinter dem Link steht.

6. Berichten unabhängige Quellen dasselbe?

Wenn eine angeblich große Nachricht nur auf einer einzigen Seite steht, ist Vorsicht angebracht. Suche nach der Kernaussage und achte darauf, ob mehrere voneinander unabhängige Redaktionen berichten. Wichtig: Wenn fünf Seiten denselben Text übernommen haben, ist das nur eine Quelle in fünffacher Ausführung. Diese Technik heißt seitliches Lesen.

7. Passen Bild oder Video zur Behauptung?

Viele Falschmeldungen nutzen echte Bilder in falschem Zusammenhang. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche findest du heraus, ob ein Foto schon früher und in anderem Kontext veröffentlicht wurde. Bei Videos machst du ein Bildschirmfoto einer markanten Szene und suchst damit. Achte außerdem auf Widersprüche im Bild selbst: Jahreszeit, Wetter, Sprache auf Schildern.

8. Stimmen die Zitate?

Zitate wirken besonders glaubwürdig, weil sie scheinbar direkt von einer Person stammen. Gib das Zitat in Anführungszeichen in eine Suchmaschine ein. Findest du es nur in Posts und Bildkacheln, aber in keinem Interview, keiner Rede und keinem seriösen Bericht, ist es wahrscheinlich erfunden oder stark verkürzt. Prüfe bei echten Zitaten auch den Zusammenhang: Ein Satz kann im Original eine ganz andere Bedeutung haben.

9. Welche Gefühle soll die Meldung auslösen?

Wut, Angst und Empörung verbreiten sich schnell. Viele Falschmeldungen sind darauf ausgelegt, genau diese Gefühle zu wecken, oft mit Großbuchstaben, vielen Ausrufezeichen und Sätzen wie „Teilen, bevor es gelöscht wird!“. Ein starkes Gefühl beweist nicht, dass etwas falsch ist. Es ist aber ein guter Moment, kurz innezuhalten, bevor du auf Teilen tippst.

10. Gibt es schon einen Faktencheck?

Viele kursierende Behauptungen wurden bereits geprüft. Suche nach der Kernaussage zusammen mit dem Wort „Faktencheck“ oder nutze eine Faktencheck-Suchmaschine. Lies dabei nicht nur das Urteil, sondern auch die Begründung: Gute Faktenchecks legen ihre Belege offen. Wie du selbst Schritt für Schritt prüfst, wenn noch niemand die Aussage untersucht hat, erklärt der Ratgeber Faktencheck: Methoden und Werkzeuge.

Auswertung: Was tun mit dem Ergebnis?

Selten liefert eine einzelne Frage ein eindeutiges Urteil. Die Tabelle hilft dir, das Gesamtbild einzuordnen.

Ergebnis der Prüfung Was es bedeutet Was du tun kannst
Mehrere unabhängige, seriöse Quellen bestätigen die Kernaussage Die Meldung ist sehr wahrscheinlich zutreffend Teilen ist vertretbar, am besten mit Link zur seriösen Quelle
Die Quelle ist seriös, aber niemand sonst berichtet Möglicherweise neu oder exklusiv, noch nicht bestätigt Abwarten und später erneut prüfen
Ursprung unklar, keine Belege, keine Bestätigung Unbelegt Nicht teilen
Bild, Zitat oder Datum passen nicht zur Behauptung Irreführend oder falscher Zusammenhang Nicht teilen, bei Bedarf freundlich auf den Fehler hinweisen
Ein Faktencheck widerlegt die Aussage mit nachvollziehbaren Belegen Falsch Nicht teilen, den Faktencheck verlinken, wenn jemand nachfragt

Beispiel: eine Kettennachricht in drei Minuten prüfen

Das folgende Beispiel ist ausgedacht, entspricht aber einem typischen Muster. Im Familienchat landet eine Nachricht: „ACHTUNG! Der Wetterdienst warnt vor einem Jahrhundertsturm am Wochenende, morgen bleiben alle Schulen im Land geschlossen. Bitte an alle weiterleiten!“

  • Frage 1: Die Kernaussagen sind eine amtliche Unwetterwarnung und eine landesweite Schulschließung.
  • Frage 2 und 3: Es gibt keinen Link und keinen Absender, nur den Hinweis auf „den Wetterdienst“.
  • Frage 6: Auf der Website und in der Warn-App des Deutschen Wetterdienstes steht keine entsprechende Warnung. Das zuständige Kultusministerium meldet keine Schulschließung, regionale Medien berichten nichts.
  • Frage 9: Großbuchstaben, Ausrufezeichen und die Bitte, an alle weiterzuleiten, sprechen für eine Kettennachricht.

Ergebnis: unbelegt, nicht weiterleiten. Eine kurze Antwort im Chat mit dem Hinweis, wo amtliche Warnungen tatsächlich veröffentlicht werden, hilft den anderen mehr als ein bloßes „Stimmt nicht“.

Typische Fallen beim Prüfen

Auch wer sorgfältig prüft, tappt manchmal in dieselben Fallen:

  • Bestätigung durch Wiederholung: Wenn du eine Behauptung oft gesehen hast, wirkt sie vertrauter. Häufigkeit ist aber kein Beleg.
  • Nur die Überschrift lesen: Überschriften spitzen zu. Die entscheidende Einschränkung steht oft im dritten Absatz.
  • Screenshots vertrauen: Ein Screenshot eines angeblichen Medienberichts lässt sich in Sekunden fälschen. Suche den Bericht auf der Website des Mediums.
  • Der eigenen Meinung zu sehr trauen: Meldungen, die gut ins eigene Weltbild passen, prüfen wir am wenigsten. Gerade dort lohnt der zweite Blick.

Mit etwas Übung gehen dir die zehn Fragen schnell von der Hand. Die meisten Falschmeldungen scheitern schon an den ersten drei: Sie haben keinen nachvollziehbaren Ursprung, keinen verantwortlichen Absender und keinen überprüfbaren Kern.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert es, eine Meldung mit den Prüffragen zu checken?

Für die meisten Alltagsmeldungen reichen zwei bis fünf Minuten. Oft beantwortet schon die Suche nach der Kernaussage zusammen mit dem Wort Faktencheck die Frage. Länger dauert es nur, wenn eine Behauptung neu ist und noch niemand sie geprüft hat.

Muss ich alle zehn Fragen jedes Mal durchgehen?

Nein. Die Fragen sind eine Werkzeugkiste, keine Pflichtliste. Bei einem Foto stehen Herkunft und Datum im Vordergrund, bei einem angeblichen Zitat die Suche nach dem Originalwortlaut. Sobald eine Frage eindeutig gegen die Meldung spricht, kannst du aufhören.

Was ist, wenn ich die Meldung weder bestätigen noch widerlegen kann?

Dann gilt sie als unbelegt, und unbelegte Meldungen teilst du nicht weiter. Das ist kein Urteil darüber, ob sie falsch ist. Es heißt nur, dass es noch keine tragfähigen Belege gibt. Oft lohnt es sich, ein paar Stunden oder Tage später noch einmal nachzusehen.

Gelten die Prüffragen auch für Meldungen großer Medien?

Ja, wenn auch mit anderem Gewicht. Etablierte Redaktionen haben Prüfabläufe und korrigieren Fehler, aber auch dort entstehen Irrtümer, besonders bei Eilmeldungen. Gerade bei Screenshots angeblicher Medienberichte lohnt es sich nachzusehen, ob der Bericht auf der Website des Mediums wirklich existiert.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion acmedias.org. Fehler gefunden?Schreib uns.